Woran messe ich eine Beziehung?

Es ist schon erstaunlich, woran Menschen ihre Beziehung zu Anderen messen. Wenn sie von anderen bemerkt werden und daraufhin von ihnen gegrüßt werden, ist die Welt in Ordnung. Werden sie dies aber nicht, glauben sie gleich die Beziehung hätte ernsthafte Risse.

Nach dieser Beobachtung müsste man mit weit geöffneten Augen durch die Welt gehen, um ja niemanden zu übersehen und damit möglicherweise die Beziehung zu ihm zu gefährden.
Man läuft durch die Stadt. Mal schnell auf dem Smartphone nach der aktuellen Uhrzeit oder Route geschaut und die in dem Moment vorbeilaufende beste Freundin nicht gesehen, schon hast du morgen keine mehr.
Ganz so dramatisch ist es vielleicht nicht, kann aber schnell so interpretiert werden. Wir Menschen sind so gut darin alles auf uns selbst oder unser Verhalten zu beziehen. „Jetzt hat sie gerade nur auf ihr Smartphone gesehen, weil sie nicht mit reden wollte. Habe ich irgendwas falsches gesagt oder gemacht?“

Wie kann man nur glauben, dass sich die ganze Qualität einer Beziehung an einer Sekunde Achtsamkeit oder Unachtsamkeit messen lässt. Es gibt doch noch so viel Zwischenmenschliches mehr, als ein routiniertes Hallo. Diese Begrüßung beweist bloß, wie trainiert der Grüßende darin ist, Höflichkeitsregeln zu befolgen. Und Höflichkeit ist etwas für Geschäftspartner und nicht für Beziehungspartner.
Wir sollten eine gute Beziehung nicht wegen kleiner Unaufmerksamkeiten und Missverständnissen auf’s Spiel setzten, sondern uns am Großen und Ganzen jeden Tag wieder auf’s Neue freuen.

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2 Gedanken zu „Woran messe ich eine Beziehung?

  1. Das Dumme ist, dass viele neurotypische Menschen ihr Selbstwertgefühl nicht aus sich selbst, also ihren eigenen Fähigkeiten und Leistungen oder einfach der ihnen innewohnenden Würde schöpfen, sondern aus der Anerkennung durch andere. Sie haben eigentlich kein Selbstwertgefühl, sondern ein Fremdwertgefühl. Für sie gilt nicht „I am what i am,“ sondern „I am what you think about me!“
    Und diese Anerkenung durch andere versuchen sie an den von dir so treffend beschriebenen Kleinigkeiten abzulesen. Traurig, besonders für diese Menschen selbst!

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    • Ich hatte dieses Verhalten bei anderen in der letzten Zeit häufiger beobachtet. Dein Kommentar ist eine sehr gelungene Zusammenfassung.
      Es ist so schade, dass noch so viele Menschen dieses „Fremdwertgefühl“ allem anderen vorziehen. Und je mehr sie in den Fokus der Aufmerksamkeit Anderer rücken, um so mehr wächst dieses und gewinnt an Bedeutung.

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