Das ESC Drama

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Klatsch-tratsch.de

Es war der Abend des Deutschen Vorentscheides (Unser Song für Österreich) für den Eurovision Song Contest, kurz ESC.
Ich bin extra lange aufgeblieben und habe alle anderen Musiker ausgehalten nur um ihn singen zu hören.
Andreas Kümmert.

Schon als er im Finale von The Voice of Germany stand, wollte ich dass er gewinnt. Und das aus dem einfachen Grund, weil er für mich einer der Letzten im Showgeschäft ist, der sich von seinem Ruhm und den Umständen nicht hat verbiegen lassen.
Er ist so normal und positiv langweilig, hat dabei aber noch eine größiere Stimme als Joe Cocker.

Und das auch heute Abend. Er ist aus der Masse herausgestochen, weil er sich im Gegensatz zu den anderen nicht darum bemüht hat.
Er saß auf der Bühne mit einem Gitarristen und sang einfach. In Strickjacke, dunkler Hose und Turnschuhen. Die Haare wild und der Bart lang. Er tat einfach das was ihm Spaß machte: Singen.

Und gerade deswegen war er für mich der einzig ware Gewinner. Er sollte allen Zuschauern des ESC und der Welt zeigen, dass man keine spektakuläre Bühnenshow mit unzähligen choreografierten Backgroundtänzern, übertrieben Glitzeroutfit und Pyrotechnik braucht, um Menschen zu begeistern.

Es braucht nur jemanden mit Talent, der das macht, was er liebt. Es braucht nur jemanden wie Andreas.

Und deswegen hat Deutschland ihn heute Abend zum Gewinner gewählt, auch wenn er das nicht annehmen konnte oder wollte.

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Die Suche nach Gleichgesinnten

Ich habe schon mein Leben lang gedacht und gefühlt, dass ich anders bin.
Da ich gemerkt habe, dass ich nicht gleich mit den anderen bin, habe ich angefangen, mich über mein Anders-sein und Anders-denken zu definieren.

Die Familie meines Vaters ist für ihre Rationalität und Oppositunalität bekannt. Es ist alles immer logisch und aus allen Blickwinkeln zu betrachten. Die Diskussionen, mit denen wir unsere Familientreffen füllen, sind ausgiebig, argumentationsreich und manchmal auch sehr hitzig.
Als Kind gab es für mich nichts spannendes als schweigend neben meinem Vater zu sitzen und den Diskussionen der Erwachsenen zu lauschen.

Der Standartspruch meiner Schwester ist seit Jahren. Du bist ja sowieso ein bisschen anders/komisch!
Das ist von ihr nicht böse gemeint, aber da ich oft das ausspreche, was ich denke, liegt sie mit ihrer Vermutung gar nicht so falsch. Ich muss alles diskutieren, durchdenken und den Anderen auch die andere Seite der Medaille vorhalten. Ich mache mich häufig unbeliebt, wenn jemand eine tolle Idee hat und ich ihm die Schwachstellen aufzeige, die für mich logisch erkennbar sind , aber derjenige nicht sehen will oder kann.

Seit ich an den Treffen der Selbsthilfegruppe für erwachsene Asperger teilnehme, hat sich meine Selbstreflexion geändert. Ich definiere mich zwar immer noch über mein Anders-sein, aber ich sehne mich nach Gleichgesinnten. Mir ist klar geworden, dass das Schreiben und Lesen der Blogs, das Besuchen der Selbsthilfegruppe oder das Lesen der Fachbücher und Foreneinträge nur mache, um sagen oder hören zu können Mir geht es genauso. Oder Das kenne ich auch.
Die Treffen der SHG sind, neben meiner Familie, die einzigen Orte und Situationen in denen ich mich nicht verstellen muss. Ich kann dort sein wie ich will. Muss nicht fröhlich, höflich, zuvorkommend oder gesprächig sein. Ich kann sein, wie ich bin und ich werde trotzdem akzeptiert.

Ich habe mich mein ganzes Leben von allen anderen abgrenzt, dabei wollte ich nur Menschen finden die mir ähneln und mich verstehen.