Die Suche nach Gleichgesinnten

Ich habe schon mein Leben lang gedacht und gefühlt, dass ich anders bin.
Da ich gemerkt habe, dass ich nicht gleich mit den anderen bin, habe ich angefangen, mich über mein Anders-sein und Anders-denken zu definieren.

Die Familie meines Vaters ist für ihre Rationalität und Oppositunalität bekannt. Es ist alles immer logisch und aus allen Blickwinkeln zu betrachten. Die Diskussionen, mit denen wir unsere Familientreffen füllen, sind ausgiebig, argumentationsreich und manchmal auch sehr hitzig.
Als Kind gab es für mich nichts spannendes als schweigend neben meinem Vater zu sitzen und den Diskussionen der Erwachsenen zu lauschen.

Der Standartspruch meiner Schwester ist seit Jahren. Du bist ja sowieso ein bisschen anders/komisch!
Das ist von ihr nicht böse gemeint, aber da ich oft das ausspreche, was ich denke, liegt sie mit ihrer Vermutung gar nicht so falsch. Ich muss alles diskutieren, durchdenken und den Anderen auch die andere Seite der Medaille vorhalten. Ich mache mich häufig unbeliebt, wenn jemand eine tolle Idee hat und ich ihm die Schwachstellen aufzeige, die für mich logisch erkennbar sind , aber derjenige nicht sehen will oder kann.

Seit ich an den Treffen der Selbsthilfegruppe für erwachsene Asperger teilnehme, hat sich meine Selbstreflexion geändert. Ich definiere mich zwar immer noch über mein Anders-sein, aber ich sehne mich nach Gleichgesinnten. Mir ist klar geworden, dass das Schreiben und Lesen der Blogs, das Besuchen der Selbsthilfegruppe oder das Lesen der Fachbücher und Foreneinträge nur mache, um sagen oder hören zu können Mir geht es genauso. Oder Das kenne ich auch.
Die Treffen der SHG sind, neben meiner Familie, die einzigen Orte und Situationen in denen ich mich nicht verstellen muss. Ich kann dort sein wie ich will. Muss nicht fröhlich, höflich, zuvorkommend oder gesprächig sein. Ich kann sein, wie ich bin und ich werde trotzdem akzeptiert.

Ich habe mich mein ganzes Leben von allen anderen abgrenzt, dabei wollte ich nur Menschen finden die mir ähneln und mich verstehen.

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Ein Aspie und eine Krankheit

Man sagt, wenn man in einen neuen Betreib anfängt, wird man krank und muss erst einmal gegen die Krankheiten immun werden, die das Klientel da mit sich herumschleppt.

Ich weiß nicht, ob das auch für mich und meine Praktikumssituation gilt. Dort hatte ich zwar mit vielen erkälteten und anders erkrankten Kindern zu tun, aber ich hätte gedacht, dass ich mit meinen täglichen Unibesuchen und Bahnfahrten mindestens einmal mit jedem momentan umlaufenden Krankheitserreger in Kontakt gekommen bin.

Als ich am Freitag morgen mit Halsschmerzen erwachte wusste ich, dass in meiner Praktikumsumgebung einige neue dazugekommen sein mussten.
Eigentlich freute ich mich, dass die Inkubationszeit passend bis zum Wochenende gedauert hatte, denn so konnte ich mich in den folgenden Tagen auskurieren und am Montag wieder frisch die Arbeit aufnehmen.

Aber diese Rechnung würde nur aufgehen, wenn es sich bei meinen Leiden um eine leichte Erkältung handelt. Ich hoffte, aber wurde enttäuscht. Über das Wochenende nahmen die Halsschmerzen zu und schon bald fiel es mir schwer zu sprechen oder zu schlucken.

Und das ist die negative Seite an Erkrankungen, die über das Wochenende gehen. Einerseits verpasse ich keine Arbeitszeit andererseits könnte ich meinen Hals nicht untersuchen lassen, ohne gleich ins Krankenhaus zu müssen.

Ich verbrachte also ein schlafloses Wochenende und quälte mir gegen die Dehydration immer mal wieder ein bisschen Wasser, Kräutertee oder Suppe hinein.
Gleich am Montagmorgen ließ ich für mich einen Termin bei meinem Arzt machen, denn ich konnte mich nur flüsternd verständigen. (Das war das einzig positive an der Sache, denn ich tue mich schwer mit Telefonieren und Ärzten)
Der Arzt schaute kurz in meinen Hals und sagte mir in mitleidenden Ton, dass ich eine schwere Rachenentzündung habe. Er verschieb mir ein Antibiotika, Schmerzmittel und schieb mich für drei weitere Tage krank.

Jetzt begann der unangenehme Teil für mich. Manchmal denke ich Ärzte hören zu, behandeln die Leiden aber denken dann nicht weiter. Wie soll man bitte zwei große Tabletten herunterbekommen wenn jedes Schlucken höllisch wehtut?? Ich brachte es hinter mich, hauptsächlich mit der Motivation, dass ich langsam mal etwas essen wollte und mir danach noch eine Aufgabe bevorstand, bei der ich halbwegs verständlich sprechen können musste. Ich musste mich telefonisch bei meiner Praktikumsstelle krank melden. Das war die größte Hürde, die ich an diesen Tag noch bewältigen musste.
Ich schrieb mir vorher die relevantesten Punkte auf, wie ich es immer bei wichtigen Telefonaten mache und brachte es hinter mich. Zu meinem Glück, war der Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung verständnisvoll, wünschte mir eine gute Besserung und machte das Gespräch somit kürzer und angenehmer, als ich es erwartet hätte.(Weiter will ich darauf jetzt nicht eingehen, da ich für das Thema Telefonieren nochmal einen eigenen Eintrag machen werde.)

Seit den Strapazen ruhe ich mich erst einmal aus. Und versuche schnellstmöglich wieder gesund zu werden, denn die Krankheit bringt meine ganze Tagesstruktur durcheinander…

Ein Aspie und das Busfahren

In meinem Alter sollte man eigentlich keine Probleme mit einfachen Tätigkeiten wie Busfahren haben.
Aber ich komme vom Land und wir haben dort schon seit Jahren keinen Stadtbusverkehr mehr. Als Kind fuhr man entweder mit dem Fahrad zu seinen Verabredungen oder man wusste, wie man ein Elternteil überzeugen musste, damit sie einen mit dem Auto brachten.
Mit 17 habe ich dann selber einen Führerschein gemacht, um nicht mehr auf andere oder mein Rad angewiesen zu sein.
Meine einzigen Erfahrungen im Fahren mit Bussen habe ich in meiner Schulzeit gesammelt. Der Schulbus brachte mich jeden Tag um die selbe Uhrzeit von der selben Haltestelle zur Schule und auch wieder zurück. Alles sehr routiniert und vorhersehbar.

Zu meiner derzeitigen Praktikumsstelle muss ich aber mit dem Bus fahren, weil es jetzt im Februar zu weit und vor allen Dingen zu kalt zum Laufen ist.

Bis jetzt hatte ich immer nur unschöne Erfahrungen zu dem Thema. Die Busse, die ich erwischte, haben grundsätzlich eine Kombination aus unfreundlichen, gestressten Busfahrer und keinerlei Haltestellenansagen durch Selbigen und zusätzlich ist die Anzeige abgeschaltet. Ich erhalte also keinerlei Auskunft, wann ich aussteigen sollte  und da der Bus nicht planmäßig fährt, kann ich auch nicht an der im Smartphone integrierten App orientieren.
(Das neuste Beispiel ist in meinem Post: Ein Aspie und ein Praktikum zu lesen)
Nach einigen Misserfolgen und anschließenden Fußmärschen zum Ziel, die sich immer wieder in der selben Linie ereigneten, fragte ich bei der Auskunft und dem Busfahrer des Busses nach, ob die Linie überhaupt meine Haltestelle anfuhr. Beide bejahrten dies, ich verließ mich darauf und es endete in einer Stadtrundfahrt, die mich wieder an meinen Ausgangspunkt brachte.
Frustrierend, wenn die eigene Belegschaft sich nicht auskennt oder man bei solchen Dingen missverstanden wird.

Apropos Belegschaft.  Vor ein paar Tagen hatte ich eine Konversation mit einem genervten Busfahrer einer der wenigen funktionierenden Linien.

Busfahrer anklagend: Ich muss ihnen mal eine Frage stellen. Warum fahren sie nicht mit dem Stadtbus?
Ich entschuldigend: Ich habe da nicht so viel Ahnung von. Ich bin nicht so der routinierte Busfahrer.
Busfahrer vorwurfsvoll:Aber die Linie fährt doch direkt an ihrer Haltestelle vorbei.
Ich: Entschuldigen Sie, dass ich nicht so viel Ahnung vom Bus fahren habe.

 

Dieser Fahrer musste noch schlechter informiert gewesen sein, als seine Kollegen, die ich nach der speziellen Linie befragt hatte, denn dieser Bus ist zwei Minuten zuvor auf der mittleren Fahrbahn an mir vorbeigefahren.

Nach all den negativen Erfahrungen kann ich trotzdem etwas positives berichten. Es gibt drei Buslinien, die mich, von kleineren Verspätungen mal abgesehen, zuverlässig an mein Ziel bringen. Diesen Fahrern bin ich täglich dankbar und lassen mich das Vertrauen in öffentliche Verkehrsmittel nicht gänzlich verlieren.